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01.05.2015

Neu in Materialien: »Loki« – Eine vergessene Rezension Rudolf Steiners


Es gibt dichterische Aufgaben, denen gegenüber jeder Naturalismus versagen muss. Es sind diejenigen, die sich auf den Kampf der ewigen Mächte in der menschlichen Seele beziehen. Dieser Kampf stellt das menschliche Innenleben in seiner ganzen Entwickelung dar, von der Geburt bis zum Tode. Nicht in einzelnen Handlungen, Stimmungen oder Ereignissen erschöpft sich dieser Kampf. Mögen die einzelnen Ereignisse, die das Leben dem Menschen bringt, diesen oder jenen, tragischen oder freudigen Ausgang finden: der Grundkampf, den das Ewige in der Menschenbrust kämpft, erhebt sich stets von neuem. Nur die einzelnen in sich abgeschlossenen Kampfeskreise kann die naturalistische Kunst schildern. Denn nur sie allein gehören der Welt des Wirklichen an.

Um die Urkämpfe darzustellen, muss die Phantasie über dies Wirkliche hinausgehen. Sie muss in einer höheren idealen Sphäre als abgeschlossen darstellen, was die Wirklichkeit nie zum Abschluss bringt. Der Philosoph kann das in der Idee, der Künstler im Bilde. Die dichtende Phantasie auf einer gewissen Kulturstufe stellt diese Kämpfe des Ewigen in der Seele in Form der Götter- und Sagenwelt dar. Nichts anderes ist diese göttliche oder sagenhafte Welt als ein Bild dessen, was auf dem Grunde des menschlichen Geistes vorgeht. Will der Dichter das Walten des Ewigen darstellen, so löst er es los von den Zufälligkeiten des menschlichen Lebens, von den Leiden und Freuden des Alltags. Seine Gestalten werden dann zwar noch Menschen sein, aber Menschen, die des Zufälligen entkleidet sind.

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